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Chronik des MV-Leopoldau

 

 

von Ernst Paal

 

 

 

Vor 50 Jahren, im Jahr 1949, wurde in Leopoldau von einigen idealistisch eingestellten und musizier begeisterten Männern der Musikverein Leopoldau gegründet. Der erste Obmann war Fritz Boden, der 1967 aus gesundheitlichen Gründen diese Funktion zurücklegte. Die Stelle des Kapellmeisters bekleidete bis zu seinem Ableben im Jahr 1971 Karl Seidl. In diesen Jahren wurde bedeutende Pionierarbeit geleistet. Die 1959 erfolgte Uniformierung und der Ankauf von Instrumenten stellte an die damalige Vereinsführung große finanzielle Anforderungen, die nur möglich wurden, weil alle Ausrückungen von den Musikern bis auf den heutigen Tag völlig unentgeltlich bestritten wurden. Zwischen der Pfarre Leopoldau und dem Musikverein bestand von Anfang an eine enge Verbindung. Die kirchlichen Feste wurden immer vom Orchester musikalisch umrahmt, im Gegenzug stellte die Pfarre bei Bedarf ihre Räumlichkeiten zur Verfügung. Der große Garten des Pfarrhofes stellt für den Musikverein einen Glücksfall dar. Seit dem Jahr 1965 wird dort jährlich vom Musikverein ein großes Sommerfest veranstaltet, das einen gesellschaftlichen Höhepunkt des Ortes darstellt, bei dem zahlreiche freiwillige Helfer aus dem Ort ein Gelingen des Festes ermöglichen im somit für den finanziellen Rückhalt des Vereines einen unverzichtbaren Beitrag leisten. Nach Fritz Boden führte von 1967 bis 1971 Walter Preßlmayer den Verein. Das unerwartete Ableben Karl Seidl stellte das Orchester vor eine schwierige Situation. Alois Wimmer, der Sohn eines Mitbegründers des Vereins, übernahm für ein Jahr interimistisch die Stelle des Obmannes.aufgefüllt werden konnten und somit die große Besetzung des Orchesters gewährleistet blieb. Bereits im ersten Jahr seiner Tätigkeit ging er daran, ein Konzertprogramm einzustudieren, mit dem man jeweils im Frühjahr in einem Saal an die Öffentlichkeit treten wollte. Bereits das erste Konzert fand so großes Interesse, dass man in den folgenden Jahren in den größeren Saal des HdB (Haus der Begegnung) in der Angerer Straße dieses Konzert veranstaltete. Bedeutende Impulse wurden durch die Jugend des Orchesters gesetzt. Ein Großteil der Burschen leisteteSeiner Initiative ist es zu verdanken, dass die altersbedingten Abgänge im Orchester durch junge Leute wieder  seinen Präsenzdienst im Bundesheer bei der Militärmusik des Gardebataillons ab und kam von dort mit verbessertem Niveau und neuen musikalischen Erfahrungen zum Verein zurück. Einige der jungen Musikerinnen und Musiker studieren am Konservatorium der Stadt Wien, wobei Karin Huf im Fach Klarinette mit einem Reifediplom abschloss. Beim Wertungsspiel in kleinen Gruppen konnte ein gemischtes Ensemble sowohl im Rahmen des Wiener als auch des Österreichischen Blasmusikverbandes mit einem anspruchsvollen modernen Stück einen ersten Rang mit Auszeichnung erringen. Nach 25 Jahren aufopferungsvoller und erfolgreicher Tätigkeit als Obmann wollte Manfred Schaden sein Amt in jüngere Hände legen. 1997 wurde Ing. Christian Entner zum neuen Obmann gewählt. Ing. Entner war vom Kindesalter an durch seine Familie mit dem MV Leopoldau verbunden und hatte noch unter Josef Haschkowetz Tenorhorn und Posaune erlernt. Die Position des Obmannes blieb somit im Tenorregister. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit wurden an ihn durch das Beziehen des neuen Probelokals in der Alten Feuerwache hohe Anforderungen gestellt, da der Umbau einiges organisatorisches Geschick verlangte, um alle Energien, mit denen sich die Mitglieder und Fans beteiligten, in die richtigen Bahnen zu lenken. Um anlässlich des Jubiläums auch den musikalischen Standard des Orchesters zu dokumentieren, wurde unter Leitung von Heinz Hartlieb eine CD produziert, die auch stilistisch einen breiten Querschnitt des musikalischen Repertoires beweist. Dem MV St. Georg Kagran sei auf diesem Wege für die Überlassung ihres für Aufnahmen akustisch geeigneten Probelokals herzlichst gedankt. Fünfzig Jahre sind eine lange Zeit. Viele unserer Orchestermitglieder haben vom Kinder- und Jugendalter an am Leben des Vereins mitgewirkt. Es haben sich jahrzehntelange Freundschaften entwickelt, die im Zusammenhalt des Vereins ihren Niederschlag fanden. Das verbindende harmonische Band des gemeinsamen Musizierens hat es auch bewirkt, hier jung und alt durch gemeinsame Interessen und Zielsetzungen der heutigen Gesellschaft ein nachahmenswertes Beispiel zu geben

 

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Kurzchronik

 

 

1108
Leopold III. errichtet kleine Kapelle in Leopoldau
1127
Fertigstellung der Kirche
1136
Tod Leopold III.
1146 u. 1187
Schenkung des Ortes durch päpstliche Bullen bestätigt
1231
Immer wieder Verwüstungen des Ortes durch einige Böhmen (bis 1239)
1251
Überfall durch die Ungarn
1271
Die Pest wütet in Leopoldau
1275
Teilweise Zerstörung des Ortes durch Hochwasser der Donau
1330
Ein Friedhof wird neben der kleinen Kapelle angelegt
1338
Ein 7 Meilen langer Zug Heuschrecken aus Asien verwüstet alle Felder in Leopoldau
1402
Ausbruch der Pest
1484
Die Leopoldauer unterstützen Friedrich III und werden mit einem Sonderrecht "belohnt": Von
1492-1875
mußten sie keine Brückenmaut zahlen.
1679/80
Über 700 Menschen fallen der Pest in Leopoldau zum Opfer.133 Leichen werden rund um das Kugelkreuz, das heute an der Siemensstraße steht, bestattet.
1696
Bau der Lepopldauer Pfarrkirche
1730
Errichtung einer Pfarrschule im Pfarrhof
1831
Leopoldau wird zur Marktgemeinde ernannt
1842
Ein "Gemeinde-Markthaus" wird gebaut, in dem die Armen untergrbracht werden konnten
1881
Trennung von Alt-Leopoldau und Bildung der Kastralgemeinde "Neu-Leopoldau mit Mühlschüttel" , die 1886 in "Donaufeld" umbenannt wurde
1904
Zusammenlegung einiger Gemeinden und Vereinigung mit Wien

 

 

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Eine Odyssee

von Ernst Paal

 

Die Frage nach einem Probelokal für eine gediegene Probenarbeit tauchte in periodischen Abständen immer wieder auf. Die ersten Proben wurden in den Räumlichkeiten des Anwesens der Familie Trunner abgehalten. Von 1950 bis 1958 stellte das Gasthaus Seidl sein Extrazimmer zur Verfügung. Später wurde im Privathaus Karl Seidls am Leopoldauer Platz Nr. 13 und in den Räumlichkeiten des Pfarrhofes geprobt. 1967 konnte das alte Schulgebäude neben der Pfarrkirche bezogen werden. Das baufällig gewordene Gebäude musste 1970 abgerissen werden, die Suche nach einer geeigneten Lokalität fing von vorne an. Die Einquartierung im Vorraum der Kegelbahn des Pfarrhofgebäudes war wohl nicht ideal, weil der Raum auch durch Pfarrorganisationen genützt wurde und für jede Probe eingeräumt und wieder ausgeräumt werden musste; man war aber trotzdem froh, dort arbeiten zu können. Im Jahr 1988 ergab es sich, dass in der ehemaligen Volksschule, die nun als Kindergarten der Pfarre in Verwendung stand, zwei Räume frei wurden, die der Verein als Proberaum sowie als Archivraum in Verwendung nehmen konnte. Nach drei Jahren hatte der Kindergarten jedoch selbst Bedarf an beiden Räumen, die Frage nach einer neuen Heimstätte war wieder akut. KR Erhard Frey, einem unserer zahlreichen Förderer, gelang es, dem MV Leopoldau in der Schule der Aderklaaer Straße zwei freie Klassenzimmer zu organisieren. Leider war dies auch nur eine interimistische Lösung, da nach Ablauf von zwei Jahren die Schule generalrenoviert und einer neuen Verwendung zugeführt wurde, bei der es keine freien Klassenzimmer gab. Die einzige Alternative war die Rückkehr in die Kegelbahn des Pfarrhofes. Im Pfarrhof waren mittlerweile umfangreiche Umbau- und Renovierungsarbeiten erfolgt, durch die der ehemalige Archivraum in einen neugeschaffenen Saal einbezogen worden war und es keine Möglichkeit gab, einen Archivraum einzurichten. Das Archiv musste dezentralisiert in einigen Privatwohnungen von Mitgliedern untergebracht werden, was die musikalische Arbeit natürlich sehr erschwerte. Bei der feierlichen Amtseinführung des neuen Floridsdorfer Bezirksvorstehers Ing. Heinz Lehner im Amtshaus Am Spitz wurde dieser vom Orchester des MV Leopoldau mit einem Ständchen begrüßt. Der Bezirksvorsteher zeigte sich an der Arbeit des Orchesters interessiert und bot an, den Verein nach Maßgabe seiner Möglichkeiten zu unterstützen. Es war die Gunst der Stunde, dass bald darauf die neue Bezirkszentrale für Feuerwehr und Rettung vor der Fertigstellung stand und die alte Feuerwache am Leopoldauer Platz aufgelassen werden sollte. Es ist hier neben Bezirksrat Racz und Ex-Bezirksrat Wimmer vor allem der Fürsprache unseres Bezirksvorstehers Ing. Lehner zu verdanken, dass der Musikverein das Obergeschoss des ehemaligen Feuerwehrgebäudes als Mieter in Gebrauch nehmen durfte. Natürlich waren umfangreiche Adaptierungs- und Umbauarbeiten nötig, die in Eigenregie durchgeführt wurden, an denen sich zahlreiche Fans und Förderer uneigennützig beteiligten, denen auf diesem Wege nochmals Dank ausgesprochen werden soll. Am 17.August 1997 erfolgte in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, unter ihnen Altbürgermeister Dr. Helmut Zilk und Bezirksvorsteher Ing. Heinz Lehner, im Rahmen eines Frühschoppens die Eröffnung des neuen Probelokals, von dem die Leopoldauer hoffen, dass dieses nun eine endgültige Heimstätte sein werde. Dieses neue Quartier an einem zentralen Ort in Leopoldau ist für den Verein von eminenter Wichtigkeit, da die Anteilnahme der Leopoldauer Bevölkerung die Grundlage des Vereines sowohl in ideeller als auch in materieller Hinsicht darstellt. Der Musikverein Leopoldau dankt auf diesem Wege nochmals allen, die dazu beigetragen haben, dass das Orchester nach fünfzig Jahren seines Bestandes dieses Lokal in Gebrauch nehmen durfte.

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Karl Seidl

von Ernst Paal

Anlässlich des 5O-jährigen Gründungsfestes ist auch eines Mannes zu gedenken, dessen Tatkraft, Idealismus und Weitergabe an Begeisterungsfähigkeit noch lange nach seinem Ableben fortwirkte. Karl Seidl wurde am 19. Jänner 1905 als Kind einer Gastwirtsfamilie geboren. 1911 übersiedelte die Familie aus Ober St. Veit nach Leopoldau und übernahm das Gasthaus Röschitz am Leopoldauer Platz Nr. 90 in Pacht. Er absolvierte im Ort Volks- und Bürgerschule und erlernte das Gastgewerbe. Danach studierte er an der Wiener Musikakademie Trompete, wo er mit einem Reifediplom abschloss. 1930 gründete er in Leopoldau eine Blasmusikkapelle. Auch im Kirchenchor war er tätig. Der Krieg unterbrach seine musikalische Tätigkeit in Leopoldau. Als er 1947 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, wurde er am Ortseingang von einer Leopoldauer Blaskapelle begrüßt. Karl Seidl war damals zu Tränen gerührt. Vielleicht verlieh ihm jene musikalische Begrüßung in seinem Heimatort diesen Schwung, dass er sofort daranging, wieder ein repräsentatives Orchester auf die Beine zu stellen. Da der Krieg große Lücken in die ehemals bestehende Burschen- und Junggärtnerkapelle gerissen hatte, war es Gebot der Stunde, bei der Ausbildung des Nachwuchses anzusetzen. Kar! Seidl, als geborener Idealist, unterrichtete alle seine Schüler völlig unentgeltlich in verschiedensten Instrumentengattungen. Fast alle, die heute zum "harten Kern" des MV Leopoldau zählen, wurden von Karl Seidl in die Welt der Töne, Skalen, Akkorde und Melodien eingeführt. Zwei seiner damaligen Schüler, die Tubisten Josef und Alois Hummel, gelangten durch anschließendes Studium an der Musikhochschule in Wien zu erstklassigen Positionen als Berufsmusiker. Einer von beiden gelangte zu den höchsten Weihen, die es für einen Musiker in Österreich gibt - er wurde Mitglied der Wiener Philharmoniker. Die Ambitionen Karl Seidls erstreckten sich jedoch nicht nur auf das musikalische Gebiet, auch in der Geschichte seiner Heimat war er wissenschaftlich tätig. Zahlreiche seiner Funde zählen zum Bestand des Floridsdorfer Heimat- Museums. 1970 erschien eine von ihm verfasste Broschüre über die Geschichte Leopoldaus, aus der der Leser die innige Verbundenheit Karl Seidls mit seiner engeren Heimat erkennen kann. Die Ausübung all dieser Ambitionen wäre wohl nicht möglich gewesen, hätte ihm nicht seine Gattin, Frau Margarete Seidl, zu Seite gestanden. Von 1935 bis 1970 hatte das Ehepaar Seidl in Leopoldau ein Kaffeehaus gepachtet, das einen gesellschaftlichen Mittelpunkt darstellte. Die Tatkraft und das Verständnis von Frau Seidl ermöglichte es ihrem Gatten neben seiner Tätigkeit als Cafetier all seinen musikalischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten nachzugehen. Am 16.April 1971 verschied Karl Seidl völlig unerwartet im 67. Lebensjahr. Er war einer jener seltenen Menschen, die bei aller persönlicher Bescheidenheit in ihrem Leben eine unauslöschliche Spur hinterlassen haben.

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