Chronik

Im Jahr 1949, wurde in Leopoldau von einigen idealistisch eingestellten und musizier begeisterten Männern der Musikverein Leopoldau gegründet. Der erste Obmann war Fritz Boden, der 1967 aus gesundheitlichen Gründen diese Funktion zurücklegte. Die Stelle des Kapellmeisters bekleidete bis zu seinem Ableben im Jahr 1971 Karl Seidl. In diesen Jahren wurde bedeutende Pionierarbeit geleistet. 
  Von Beginn an herschte eine enge Verbindung zwischen der Pfarre Leopoldau und dem Musikverein. Die kirchlichen Feste wurden immer vom Orchester musikalisch umrahmt, im Gegenzug stellte die Pfarre bei Bedarf ihre Räumlichkeiten zur Verfügung. Der große Garten des Pfarrhofes stellt für den Musikverein einen Glücksfall dar. Seit dem Jahr 1965 wird dort jährlich vom Musikverein ein großes Sommerfest veranstaltet, das einen gesellschaftlichen Höhepunkt des Ortes darstellt, bei dem zahlreiche freiwillige Helfer aus dem Ort ein Gelingen des Festes ermöglichen im somit für den finanziellen Rückhalt des Vereines einen unverzichtbaren Beitrag leisten.  
  Ein wichtiger Teil des Vereins ist die Jugendarbeit, auch um zukünftige freie Plätze im Orchester adäquat nachbesetzen zu können: Hier ist vor allem die Initiative von Gerhard Bergauer, Kapellmeister des Jugend- und Nachwuchsorchesters „Orange Corporation“ und die musikalische Früherziehung für Kinder von Judith Swoboda besonders hervorzuheben.

 

  • 1949: Gründung des Musikvereins Leopoldau
     
  • 1. Obmann von 1949 - 1967 Fritz Boden
     
  • 1. Kapellmeister von 1949 - 1971 Karl Seidl
     
  • 1959 erste Uniformen und Ankauf von Instrumenten
     
  • seit ca. 1965 wird im Pfarrhofes das jährliche Sommerfest vom Musikverein veranstaltet
     
  • 1967 – 1971: Obmann Walter Preßlmayer
     
  • 1971 – 1979: Kapellmeister Joseph Haschkowetz
     
  • 1972: Alois Wimmer für ein Jahr interimistischer Obmann
     
  • 1972-1997: Obmann Manfred Schaden
     
  • 1980 – 1985: Kapellmeister Alfred Hansel
     
  • 1997 bis dato: Obmann Ing. Christian Entner, der seit seinem Kindesalter durch seine Familie eng mit dem MV Leopoldau verbunden ist
     
  • 1997 bis 2010: Probenlokal in der Alten Feuerwache am Leopoldauer Platz gegenüber der Kirche
     
  • 1986 bis 1999: Kapellmeister Heinz Hartlieb; setzte sich für die ersten Jahreskonzerte mit Konzertprogramm ein, die aufgrund des großen Andrangs in den folgenden Jahren im großem Saal des HdB (Haus der Begegnung) Angerer Straße veranstaltet wurden. In seiner Zeit wurde auch eine CD produziert, die den stilistisch breiten Querschnitt des musikalischen Repertoires aufzeigt
     
  • 2000 – 2002: Kapellmeister Mag. Reinhard Fröhlich
     
  • 2003 – 2014: Kapellmeister Herbert Klinger, gleichzeitig Leiter der Polizeimusik Wien
     
  • 2006: Kauf neuer Uniformen mit Hilfe vieler Spenden, aber auch wesentliche Mittel aus dem musikalisch erspielten Vereinsbudget
     
  • 2010-2011: Bau des neuen Musikheims Leopoldau an der Ecke Siemensstraße und Leopoldauer Straße unter tatkräftiger Mitwirkung der Musikvereinsmitglieder, aber auch vieler Helfer/Innen und Spenden aus der Leopoldau; Bauleitung: Ing. Wolfgang Bergauer; Dank auch an Ing. Lesmeister und der Bezirksvertretung Floridsdorf
     
  • 2015 – dato: Kapellmeister DI (HTL) Wolfgang Bergauer

 

Besondere Auftritte im Ausland:

  • Maulbronn, Deutschland
  • Gorzow Wilko Polski, Polen
  • Jaroslavice, Tschechien

 


 

Karl Seidl

von Ernst Paal

Wir gedenken hier eines Mannes, dessen Tatkraft, Idealismus und Weitergabe an Begeisterungsfähigkeit noch lange nach seinem Ableben fortwirkt. Karl Seidl wurde am 19. Jänner 1905 als Kind einer Gastwirtsfamilie geboren. 1911 übersiedelte die Familie aus Ober St. Veit nach Leopoldau und übernahm das Gasthaus Röschitz am Leopoldauer Platz Nr. 90 in Pacht. Er absolvierte im Ort Volks- und Bürgerschule und erlernte das Gastgewerbe. Danach studierte er an der Wiener Musikakademie Trompete, wo er mit einem Reifediplom abschloss. 1930 gründete er in Leopoldau eine Blasmusikkapelle. Auch im Kirchenchor war er tätig. Der Krieg unterbrach seine musikalische Tätigkeit in Leopoldau. Als er 1947 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, wurde er am Ortseingang von einer Leopoldauer Blaskapelle begrüßt. Karl Seidl war damals zu Tränen gerührt. Vielleicht verlieh ihm jene musikalische Begrüßung in seinem Heimatort diesen Schwung, dass er sofort daranging, wieder ein repräsentatives Orchester auf die Beine zu stellen. Da der Krieg große Lücken in die ehemalige Burschen- und Junggärtnerkapelle gerissen hatte, war es das Gebot der Stunde bei der Ausbildung des Nachwuchses anzusetzen. Karl Seidl unterrichtete als geborener Idealist alle seine Schüler völlig unentgeltlich in verschiedensten Instrumentengattungen. Viele Musiker des MV Leopoldau wurden von Karl Seidl in die Welt der Töne, Skalen, Akkorde und Melodien eingeführt. Zwei seiner damaligen Schüler, die Tubisten Josef und Alois Hummel, gelangten durch anschließendes Studium an der Musikhochschule Wien zu erstklassigen Positionen als Berufsmusiker. Einer von beiden gelangte zu den höchsten Weihen, die es für einen Musiker in Österreich gibt - er wurde Mitglied der Wiener Philharmoniker. Die Ambitionen Karl Seidls erstreckten sich jedoch nicht nur auf das musikalische Gebiet, auch in der Geschichte seiner Heimat war er wissenschaftlich tätig. Zahlreiche seiner Funde zählen heute zum Bestand des Floridsdorfer Bezirksmuseums. 1970 erschien eine von ihm verfasste Broschüre über die Geschichte Leopoldaus, aus der der Leser die innige Verbundenheit Karl Seidls mit seiner engeren Heimat erkennen kann. Die Ausübung all dieser Ambitionen wäre wohl nicht möglich gewesen, hätte ihm nicht seine Gattin, Frau Margarete Seidl, zu Seite gestanden. Von 1935 bis 1970 hatte das Ehepaar Seidl in Leopoldau ein Kaffeehaus gepachtet, das einen gesellschaftlichen Mittelpunkt darstellte. Die Tatkraft und das Verständnis von Frau Seidl ermöglichte es ihrem Gatten, neben seiner Tätigkeit als Cafetier all seinen musikalischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten nachzugehen. Am 16. April 1971 verschied Karl Seidl völlig unerwartet im 67. Lebensjahr. Er war einer jener seltenen Menschen, die bei aller persönlichen Bescheidenheit in ihrem Leben, eine unauslöschliche Spur hinterlassen haben.